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Fotoblog von achtung-poster.de

Tipps, Tricks & News zu Fotografie und Bildbearbeitung.

Fotografie leben – Interview mit Patrick Ludolph

Der ein oder andere von Ihnen wir Patrick Ludolph und seinen Blog „neunzehn72.de“ sicherlich schon kennen. Er betreibt einen sehr lesenswerten Blog rund um sein Hobby, welches er auch zum Beruf gemacht hat: die Fotografie.  Er lebt die Fotografie, wie er selbst sagt.  Es verwundert daher kaum, dass er neben dem Blog auch noch Workshops zur Fotografie gibt, selbst als Fotograf tätig ist und zusammen mit Gunther Wegner einen Videocast für Fotografen herausgibt.  Ich habe ihm vor kurzem ein paar Fragen gestellt und dabei ist ein interessantes Interview herausgekommen.

Hallo Patrick, stell dich bitte kurz unseren Lesern vor. Wo kommst du her, was machst du den lieben langen Tag und wie kommt man vom Onlinemarketing zur Fotografie?

Ich komme aus Hamburg, bin Jahrgang 72 und lebe Fotografie. Ich betreibe den Blog neunzehn72.de wo ich über alles schreibe was mich zum Thema Fotografie so beschäftigt. Das können Tests irgendwelcher Gadgets sein, aber auch Tipps zur Fotografie selbst.

Ich gebe Fotografie-Workshops für Anfänger und Profis zu allem was mir selbst auch Spaß macht, wie Portrait, Studio, Blitzen, Lightroom, Panorama, Nachtfotografie.

Mir selbst macht es am meisten Spaß Menschen zu fotografieren und daher habe ich mich darauf im letzten Jahr spezialisiert. Ich arbeite als Hochzeitsfotograf und mache sehr viele Einzelportraits und Pärchenshootings. Menschen kann man überall fotografieren und jedes Shooting ist neu. Ausserdem habe ich noch ein Buch über Lightroom geschrieben, drehe hin und wieder mit meinem Kumpel Gunther den Fotoschnack und habe einen iTunes-Podcast wo es ebenfalls viel um Lightroom geht.

Bevor ich mich entschlossen habe zu fotografieren war ich im Online-Marketing unterwegs. Ich habe mich viel mit Suchmaschinen und der Webanalyse beschäftigt. Als Kunden hatte ich grosse deutsche Konzerne, als Arbeitgeber ein grosses amerikanisches Unternehmen. Ich war Frequent Traveller, bin viel rum gekommen, habe gut verdient, lebte aber in einer Welt von superwichtigen Menschen mit amerikanischen Jobtiteln, die sich alle viel zu ernst genommen haben. Business und Politik beherrschte meinen Alltag. Irgendwann hatte ich die Nase voll und habe alles hingeschmissen. Ich wollte Fotografieren und ich wollte keine Businesskunden mehr. Ich liebe es mit Privatkunden zu arbeiten, die sind viel dankbarer. Agenturen eignen sich für mich nicht als Kunden, da ich sie nicht mehr ernst nehmen kann, seitdem ich so viele Jahre in ihrer Welt gearbeitet habe.

Portrait

Der Weg in die Fotografie war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens. Seitdem bin ich richtig glücklich, mache nur noch Sachen, die mir Spaß machen und arbeite so wie ich es will. Seltsamerweise scheint es Menschen zu geben, die das gut finden und mich nun dafür bezahlen, dass ich bin, wie ich bin.

Auf deiner Portfolio-Seite schreibst du, dass 360° Aufnahmen und Gigapixel-Panoramen zwei deiner Spezialgebiete sind. Ich nehme an, diese Bereiche der Fotografie gefallen dir auch persönlich. Was macht für dich den Reiz dabei aus?

Panorama

Die Panoramafotografie war eine Phase. Ich fand das total spannend. Bilder zu erstellen, die irgendwie einen ganz anderen Blickwinkel geben, bis hin zum 360° Panorama. Dazu muss ich aber gestehen, dass ich auch ein Technik- und Equipmentjunkie bin und es mich einfach gereizt hat diese sehr technische Art der Fotografie auszuprobieren. Mittlerweile beherrsche ich Panoramen sehr gut, verdiene damit aber kein Geld. Das ist eine reine Leidenschaft. Ich liebe es vor allem mich in den Details eines Gigapixel-Panoramas zu verlieren.

Gerade auch im Portraitbereich findet man bei dir viele abwechslungsreiche Aufnahmen. Wie gehst du bei einem Portraitshooting vor und was macht für dich ein gutes Portraitfoto aus?

Portraitfoto

Du wirst es nicht glauben, aber ich mache einfach. Die Planung eines Shootings besteht darin, dass ich mich mit dem Protagonisten treffe und einfach quatsche. Ich könnte jetzt erzählen, dass ich etwas über den Typen herausfinden möchte um dann zu entscheiden was die richtigen Aufnahmen sind. Das ist aber quatsch, ich möchte eine persönliche Beziehung aufbauen und dann, wenn es an das Shooting geht, einfach Spaß haben. Ich möchte Spaß beim Shooting haben und der Protagnist soll Spaß haben. Wenn wir lachen, dann kommen automatisch tolle Bilder dabei heraus. Darum arbeite ich auch nicht für Agenturen, die mit einem Briefing und komischen Vorstellungen um die Ecke kommen. Das ist mir zuwieder. Die meisten Leute kommen zu mir und möchten Bilder haben, so wie ich sie eben mache. Das macht mich ganz schön stolz.

Portraitfotografie

Ich kann Dir nicht sagen was ein gutes Portraitfoto für mich ausmacht. Ich kann Dir nur sagen, dass mir der Ausdruck, die Mimik und der Moment tausendmal wichtiger ist als das Licht und irgendwelche Kameraeinstellungen. Das heisst nicht, dass ich letzteres vernachlässige. Ich stehe zudem auf natürliche Posen und am liebsten fotografiere ich Outdoor.

Du betreibst unter neunzehn72.de ein sehr lesenswerten Blog über Fotografie, Gadgets und Mac. Was macht dir mehr Spaß, und womit verbringst du mehr Zeit? Mit dem Bloggen (über Fotografie ^^) oder mit dem Fotografieren?

Danke für das Lob! Ich brauche Abwechslung und daher bin ich froh, dass ich verschiedene Baustellen habe. Bloggen, Fotografieren, Workshops, Videos. Das macht mir alles Spaß und mal investiere ich hier mehr Zeit und mal dort. Hochzeitsfotografie z.B. ist eine tolle Sache, die mir sehr viel Spaß macht. Aber wenn ich jedes Wochenende eine Hochzeit fotografieren müsste, würde der Spaß nachlassen und ich hätte irgendwann keine Lust mehr. Das Leben ist einfach zu kurz um Dinge zu machen, die man nicht mag. Das ist auch der Grund warum ich ständig neue Dinge ausprobiere.

Paarfotografie

Du bloggst, fotografierst Hochzeiten, machst Portraitshootings, erstellst Panoramen und vieles mehr. Ich gehe davon aus, dass dir nicht so schnell langweilig wird. Nachdem du dein Hobby zum Beruf gemacht hast: Bleibt dir überhaupt noch genügend Zeit für andere Dinge?

Ich mache all das, was ich machen möchte. Ich habe eine Frau, ein Haus, einen Hund und Freunde. Für das, wo man Lust zu hat, nimmt man sich doch die notwendige Zeit, oder? Der größte Luxus ist, dass ich durch die Selbstständigkeit meine Zeit frei einteilen kann. Du darfst nicht vergessen, dass ich keinen normalen Job mehr habe und somit doch ganz schön viel Zeit vorhanden ist.
Aber natürlich habe ich auch Phasen, wo ich zeitlich schon ans Limit komme, weil ich mal wieder nicht Nein sagen konnte.

Wenn du nochmal von vorne anfängen könntest. Würdest du wieder über das Onlinemarketing bzw. eine Festanstellung gehen, oder würdest du dann direkt als Fotograf und Blogger anfangen?

Ach herjeh, woher soll ich das denn wissen. Alles was ich getan habe, war eine Erfahrung. Vieles würde ich heute als Zeitverschwendung einstufen, manche Jobs waren echte Scheissjobs. Aber wäre ich da, wo ich jetzt bin, wenn all das nicht gewesen wäre? Ich weiss es nicht. Ich kann nur sagen, dass ich nicht finde, man muss sein Leben lang den gleichen Job machen. Ich kenne Leute, die sind so alt wie ich und feiern bald 25-jähriges Firmenjubiläum, die haben keinen Bock mehr auf ihren Job, machen ihn eigentlich nur weil sie es nicht anders kennen, wegen Rente und so, Hauskredit, Familie, nur kein Risiko eingehen. Wie gesagt: man hat nur ein Leben, warum nicht alles ausprobieren was einem in den Kopf kommt?

Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast!

Autor: Daniel Zellfelder

Diesen Eintrag wurde am 05.10.11 in der Kategorie Inspiration von Daniel Zellfelder veröffentlicht. Sie können gerne einen Kommentar hinterlassen.