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Fotoblog von achtung-poster.de

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Taryn Simon – außergewöhnliche Fotografien

Sie ist eine Frau mit Stil und einem Auge für das Ungewöhnliche. Taryn Simon ist eine Fotografin der besonderen Art. Die am 4. Februar 1975 in New York geborene Künstlerin hat an der Brown University studiert und ist Inhaberin eines Guggenheim-Stipendiums. Die Künstlerin hebt sich extrem vom Mainstream ab, sie lässt sich auch mit keinem anderen Fotografen vergleichen. Sie selbst setzt neue Maßstäbe im Bereich der themenübergreifenden Reportage-Fotografie. Die Fotos von Taryn Simon kann man nicht einfach nur betrachten, vielmehr gehen sie unter die Haut, sie werden aktiv erlebt, sie wecken Emotionen und werfen viele Fragen auf. Auch innerhalb ihrer eigenen Fotostrecken gibt es kaum einen roten Faden, dennoch sind ihre Projekte in sich geschlossen.
Ihre Fotos fesseln, schockieren und faszinieren den Betrachter gleichermaßen. Ihre Arbeiten erzählen Geschichten, zeigen Schicksale und halten der Gesellschaft einen Spiegel vor. Taryn Simon greift Themen auf, die kritisch, politisch fragwürdig oder auch einfach aus dem Leben gegriffen sind. Eine Fotografin mit eigenem hohen Anspruch und einer Denkweise, die aufzeigt, dass sie sich intensiv mit dem Leben, der Gesellschaft und der Zeit auseinandersetzt.

Die Angst treibt Taryn Simon an

Sie geht an Ort, die Menschen normalerweise meiden. Sie begibt sich in Krisengebiete und politische Brennpunkte, ohne die klassische Nachrichten-Berichterstattung nach außen zu tragen. Sie macht auf Probleme aufmerksam, die andere gerne übersehen. Sie weist auf Missstände hin, die andere nur allzu gerne ignorieren. Für ihre Projekte reist Taryn Simon um die ganze Welt. Die Bilder von Taryn Simon rütteln wach, sie regen zu Diskussionen an, sie ändern den Blickwinkel und sie fesseln den Blick des Betrachters. Dabei geht es ihr in erster Linie nicht um einen schönen, ästhetischen, künstlerischen Aspekt. Oftmals verschmelzen erst alle Bilder eines Projekts in ihrer Gesamtheit zu einem echten und einzigartigen Kunstwerk. Vielmehr geht es um Kritik an Systemen, um Menschen hinter den Kulissen, um verborgene Emotionen. Es sind die Geschichten hinter den Geschichten, die sie zu diesen Fotoprojekten animiert. Sie selbst sagt von sich, dass sie ein ängstlicher Mensch sei. Diese Angst treibt sie an. Sie zwingt sich selbst, diese Projekte zu realisieren, obwohl sie dabei oftmals unglücklich sei. Und der Erfolg gibt ihr Recht.

„The Innocents“ – Todeskandidaten vor der Kamera

Im Jahr 2000 erhielt Taryn Simon einen einzigartigen Auftrag vom Magazin „New York Times“. Mit dem Projekt „The Innocents“ (Die Unschuldigen) erregte Taryn Simon großes Aufsehen. Sie sollte ehemalige Gefängnisinsassen fotografieren, die irrtümlicherweise ins Gefängnis gekommen sind und zum Tode verurteilt wurden. Sie lichtete diese Todeskandidaten an den vermeintlichen Tatorten ab. Dadurch entstand eine Fotoserie, bei der jedes Bild eine eigene Geschichte schreibt. Kein Foto gleicht dem anderen. Diese Menschen wären beinahe unschuldig ums Leben gekommen. Bilder, die ein beklemmendes Gefühl auslösen und das Rechtssystem der USA infrage stellen. Zu dieser Fotostrecke erschien ein gleichnamiges Buch. Ihre Ausstellung zu diesem Thema ging um die ganze Welt.

https://www.youtube.com/watch?v=B3PlyOAONss

 

Weitere Projekte von Taryn Simon

In „An American Index of the Hidden and Unfamiliar“ präsentiert Taryn Simon Orte, die für die Öffentlichkeit zum großen Teil tabu sind oder schlicht keine Beachtung finden. Sie stellt Dinge dar, die normalerweise verborgen bleiben. So zeigt sie z. B. eine 21-jährige Frau aus Palästina, die in den Vereinigen Staaten lebt. Sie liegt auf einem gynäkologischen Stuhl und unterzieht sich einer Hymenoplastic (Rekonstruktion des Jungfernhäutchens), damit sie ihrer Familie keine Schande macht. Ein anderes Bild zeigt eine Ausgabe des Playboy-Magazins in Blindenschrift. Wieder ein anders Foto zeigt eine kleine Flasche mit einer harmlos erscheinenden Flüssigkeit. Dabei handelt es sich jedoch um die flüssige Variante des HI-Virus. Das Projekt umfasst viele weitere Motive, die sehr zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Im „Contraband„-Projekt zeigt Taryn Simon hingegen Artikel, die an der US-Grenze vom Zoll beschlagnahmt worden sind. So z. B. eine Zahnpasta aus Kuhdung, Herkunftsland Indien, fragwürdige Arzneimittel aus Pakistan, Schweinefett aus der Ukraine, ein getrockneter Hirschpenis aus Asien, getrocknete Meerschweinchen aus Ecuador und vieles mehr wie Plagiate hochwertiger Designerwaren, Dopingmittel, Potenzmittel, Waffen und Drogen. Bei der Betrachtung dieser Fotos entstehen die unterschiedlichsten Gefühle. Belustigung, Unverständnis, Verwunderung, Erstaunen und Ekel sind dabei nur einige Gemütszustände, denen sich ein Betrachter aussetzen muss. Weitere Fotostrecken wie „Image Atlas„, „A Living Man Declared Dead and Other Chapters„, und „Black Square“ behandeln jeweils andere Themen, die nicht minder kritisch und außergewöhnlich sind. Dabei handelt es sich um Projekte, für die sie die Bilder teilweise über Jahre zusammenträgt. Taryn Simon hat zahllreiche Fotopreise gewonnen und wurde für Ihre Werke mehrfach ausgezeichnet. Ihre Bilder werden weltweit ausgestellt und sind in den größten und renommiertesten Museen zu bewundern.

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Autor: copymanspecial

Diesen Eintrag wurde am 28.07.14 in der Kategorie Inspiration, Sonstiges von copymanspecial veröffentlicht.